Immer mehr Schüler können bald in kleinere Cafeteria
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Aus der Cafeteria wird ein Klassenraum. (Foto: Steffen Gerber)

Herdecke. Hubertus Schmalor freut sich als Herdecker Realschul-Leiter über den Höchststand an Schülern in seiner Amtszeit, was aber auch einen Umbau nötig macht

78 neue Fünftklässler und insgesamt 430 Schüler in 16 Klassen: „In meiner Zeit hier ist das der bisherige Höchststand“, sagt Herdeckes Realschulleiter Hubertus Schmalor.

Die große Nachfrage für eine Einrichtung, an deren Zukunftsfähigkeit in der jüngeren Vergangenheit schon mal gezweifelt wurde, macht auch kleinere Umbauarbeiten nötig. Die sind noch nicht abgeschlossen, daher unterrichten vereinzelt Lehrer bis zu den Herbstferien provisorisch auch auf der Straßenseite gegenüber in dem Container, in dem zuletzt die Hauptschule untergebracht war.

Raum durch neue Wand abgetrennt
Im Gebäude selbst müssen Handwerker noch in dem lichtdurchfluteten Raum direkt am Schulhofseingang wirbeln. Durch eine Wand werden aus der Cafeteria und Küche ein Klassenraum für die Jahrgangsstufe 6 sowie ein kleinerer Aufenthaltsraum zur Versorgung. „Die alte Küche haben wir nicht mehr wirklich gebraucht, daher haben wir nur noch ein paar Gerätschaften hier behalten“, so Schmalor. Für künftige Kochprojekte steht die modernere Einrichtung in der Werner-Richard-Grundschule in direkter Nachbarschaft zur Verfügung – in Absprache mit anderen Nutzern. In der Realschule kommt die Cafeteria (Schmalor: „Die wird bei uns gut angenommen“) in der alten Küche künftig kleiner daher, bleibt aber im Prinzip am bekannten Standort bestehen. „Über eine Theke und die Möblierung müssen wir uns noch Gedanken machen“, sagten der städtische Beigeordnete Dieter Joachimi und Schulamtsleiter Heiko Müller, die auch noch auf die formelle Baugenehmigung warten. Zu klären sind etwa noch Brandschutzfragen.

Ausgabe durch Fenster im Gespräch
Die Schulleitung um Schmalor und Konrektorin Anke Lohscheidt überlegt zudem, in den Pausen eine Warenausgabe durch ein Fenster zum Schulhof zu ermöglichen. Die Mutter eines ehemaligen Schülers will sich in Abstimmung mit dem Förderverein weiter um Getränke und Snacks kümmern. „Wir planen auch in der kleineren Cafeteria weitere Veranstaltungen oder erweitern diese in den Flur, etwa beim Elternempfang für die neuen Fünftklässler am heutigen Donnerstag“, so Schmalor.

Insgesamt sei das Raumangebot in der Realschule auch durch den zusätzlichen Förderunterricht, der im Sinne der Inklusion mit dem Friedrich-Harkort-Gymnasium organisiert wird, recht eng bemessen.

Den Container-Komplex in der Hengsteyseestraße hat die Stadt eigentlich bis Sommer 2016 angemietet. Da die Hauptschule aber ein Jahr früher als ursprünglich geplant abgewickelt wurde, will die Firma nun in den Herbstferien die mobilen Räumlichkeiten abbauen und mitnehmen.
In den Ferien standen laut Stadt in der Werner-Richard-Grundschule vorbereitende Arbeiten (Öffnungen in Wänden und Decken) an, um dann in den Herbstferien dort einen Aufzug installieren zu können. Kostenvolumen zur Umsetzung der Barrierefreiheit: ca. 100 000 Euro, (WP 13.8.2015 Bericht )Steffen Gerber

Klimaschutz fängt in der Schule an
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Die Realschule am Bleichstein beteiligt sich am Klimaschutzwettbewerb
Foto: Klaus Görzel
Herdecke. Die Realschüler in Herdecke haben viele Aufgaben mit in die Osterferien genommen. Im Juni wollen sie gute Ergebnisse vorzeigen können.
Mobiltelefone und Computer sind Energiefresser. Und doch lassen sich aus ihnen prima Werkzeuge machen, auch beim Klimaschutz. Die Jungen und Mädchen der 9. Klassen der Realschule am Bleichstein machen das gerade vor. Seit Beginn des Schuljahres sammeln sie Ideen für Umweltprojekte und haben alle Zwischenergebnisse so im Internet abgelegt, dass sie jederzeit und an jedem Ort darauf zurück greifen können. Ein Seitenaufruf genügt, und sie sehen selbst in den Ferien, wie weit die Schulkameraden mit ihren Projekten sind.

(Selbst-)Versuch macht klug
Um Politik geht es beim Klimaschutz, um Macht und Interessen, aber auch um die Kraft von Bündnissen und Vereinbarungen. Und um Biologie geht es. Wie sind unsere Energievorräte in der Erde entstanden, welche Stoffkreisläufe gibt es? Politik und Biologie sind in den letzten Monaten fächerübergreifend unterrichtet worden. Und auch auf Reisen haben sich die Jungen und Mädchen für ihre Umweltprojekte schon gemacht. In der Klimawerkstatt des Nixdorf-Museums in Paderborn haben sie experimentiert. Jetzt heißt es im Projektplan schwungvoll: „Wir packen’s an!“
Aber was genau? Bei David und Tilemahos reicht erst einmal der Drehknopf am Heizkörper. Der ist nur eine Attrappe. Die Folge: „Man sitzt hier im T-Shirt, und die Heizungen laufen auf vollen Touren.“ Weil Tilemahos und sein Banknachbar das nicht mehr einfach so hinnehmen wollen, lautet ihr Thema „Sparsamer Heizen in der Realschule“. In der Schule, auf dem Weg dorthin, zu Hause und in der Stadt haben die Schüler ihre Handlungsfelder gefunden. Und handeln heißt auch: „(Selbst-)Versuch macht klug“.
Zwei Wochen lang soll jeder einmal etwas anders machen, das dem Klima helfen könnte. Ein Schüler hat bereits versprochen, in dieser Zeit weder mit dem Bus, noch mit seinem eigenen Roller, noch als Fahrgast im elterlichen Auto zur Schule zu kommen. Ein ambitioniertes Vorhaben: Er wohnt in Ende. Wie er von dort zur Schule am Bleichstein gelangen will? „Joggen“, lautet seine Antwort.

Kritische Fragen
Selina und Madita wollen vermehrt Produkte aus der Region essen. Das klappt natürlich nur dann, wenn entsprechend eingekauft wird daheim. „Ihr müsst Eure Eltern einbeziehen“, schärft ihnen Hubertus Schmalor ein. Er ist Klassenlehrer einer der beiden 9. Klassen und zudem Leiter der Realschule. Ihm war es wichtig, die Fächer Politik und Biologie über Monate zu verzahnen, und mit großem Elan hat er dafür gesorgt, dass Smartphones als Unterrichtsmittel und neue Präsentationsformen im Internet zusätzlich Lust aufs Lernen machen.
In Zweier- und Dreigruppen ziehen die Jungen und Mädchen jetzt los. Auf dem Flughafen in Dortmund wollen Simon, Calvin und Siyabend bei den Fluggästen erfragen, ab wann für sie für innerdeutsche Strecken auch die Bahn wieder in Frage käme. Und fragen lassen müssen sich auch die Herdecker Politiker und Mitarbeiter der Verwaltung.
Die Antworten werden dann zunächst in der Klasse vorgestellt, dann aber auch im Internet abrufbar sein. Vor allem aber sollen sie im Rahmen des Klimaschutzwettbewerbes der Herdecker Schulen vorgestellt werden.
Ein bisschen augenzwinkernd haben die Neuntklässler ihre gemeinsame Plattform im Internet „Wir retten die Welt“ genannt. Ein bisschen ernst ist es ihnen damit aber auch.
( WP 30.3.2015 Klaus Görzel)

Realschüler kämpfen gegen die Stromvergeudung
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Das Flurlicht leuchtet, wenn die Schüler längst keinen Unterricht mehr haben. Das stößt den Realschülern in Herdecke besonders zur „Earth Hour“ auf. Foto: Klaus Görzel

Herdecke. Die weltweite „Earth Hour“ ist für die Realschüler aus Herdecke ein willkommener Anlass, auf eine besondere Form der Stromvergeudung hinzuweisen. Immer wieder leuchten die Lampen auf den Fluren, wenn längst kein Schüler mehr Unterricht hat.
Den Neuntklässlern, die sich gerade im Unterricht besonders mit dem Klimaschutz beschäftigen, ist das ebenso ein Dorn im Auge wie den Lehrern. Wenn die Schüler auch nicht einfach in der Schule den Strom abstellen können, wollen sie doch daheim dafür sorgen, dass am Samstag zwischen 20.30 und 21.30 Uhr (der „Earth Hour“) die elektrischen Lichter ausgeschaltet sind.
Und sie haben erkundet, dass in Herdecke auch die Kirchen und die Stadtverwaltung beim Rathaus aufs Anstrahlen verzichten wollen. (Bericht WP 27.3.2015 Görzel)

Kinder aus der Ferne büffeln fleißig Deutsch
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Naham, Denis und Viktoria kamen aus Syrien, Frankreich oder Polen nach Herdecke - und müssen jetzt Deutsch lernen, um am Schulunterricht teilnehmen zu können.
Sparkasse, Kinderschutzbund und Bürgerstiftung helfen, um den Sprachunterricht für (Flüchtlings-)Kinder an der Realschule Herdecke


„Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, acht, neun. . .“ Olga Novikova lächelt ihren Schüler an und korrigiert: „Sieben. Nach sechs kommt sieben.“ Mohammed nickt und zählt weiter.
Der 16-Jährige und seine Schwester Ghalia (14) sind mit ihren Eltern vor dem Krieg in Syrien nach Herdecke geflohen. Eine Schule haben sie in den letzten zwei Jahren nicht von innen gesehen. Jetzt müssen sie lernen: Schreiben, Lesen und Deutsch, damit sie in der Realschule am Bleichstein den Unterricht verfolgen können. Schulleiter Hubertus Schmalor ist froh, dass Kinderschutzbund, Bürgerstiftung und Sparkasse immer wieder bei der Finanzierung helfen.

Grammatik ist schwer
Nicht nur Flüchtlingskinder aus Kriegsgebieten, auch Kinder von Ausländern aus EU-Staaten, die in Deutschland arbeiten oder Arbeit suchen, brauchen dringend und zu allererst einmal Sprachunterricht. „Ziel ist es, dass die Kinder dann irgendwann am normalen Unterricht teilnehmen können, ihn verstehen und dann auch benotet werden können“, sagt Hubertus Schmalor. Eine Lehrerstelle gibt es dafür nicht. „Nur in größeren Städten gibt es Auffangklassen ab 15 Schülern“, so der Pädagoge. Trotzdem bekommen Mohammed und Ghalia zwei Mal in der Woche Sprachunterricht. Genau so wie Naham (14) aus Syrien, Viktoria (12) aus Polen, Denis (15 ) aus Frankreich und Moussa (11) aus Spanien. Die vier sind bereits seit einigen Monaten in Herdecke und pauken mit Lehramtsstudentin Julia Grote sogar schon Grammatik. „Das ist für alle neu und schwer, aber wir haben inzwischen einen guten Level gefunden. Bei der Pluralbildung merkt man auch selber, wie kompliziert die deutsche Grammatik ist“, sagt die angehende Lehrerin, die sich über die Fortschritte ihrer Schüler freut. „Naham ist seit September in unserer Gruppe und hat schon viel gelernt. Sogar so viel, dass ich sie schon als Übersetzerin einsetzen konnte, um mich mit Mohammed und Ghalia zu verständigen, die noch so gut wie gar nichts verstehen“, sagt Julia Grote. „Aber immerhin können auch sie inzwischen auf Deutsch sagen, wie sie heißen, wie alt sie sind, wo sie wohnen und wo sie herkommen. Sie sind fleißig und lernen auch sehr gerne“, ergänzt Olga Novikova.

Außerschulische Honorarkräfte
Ab der nächsten Woche, so erklärt Schulleiter Schmalor, werden Mohammed und Ghalia auch noch gemeinsam mit der Sprachfördergruppe aus der Grundschule im Dorf lernen. Denn Ghalia kann weder schreiben noch lesen - auch nicht in ihrer Muttersprache. Die Zwölfjährige muss also zunächst einmal Buchstaben lernen, bevor es ans Schreiben und Lesen geht.
Die außerschulischen Honorarkräfte wie Julia Grote und Olga Novikova werden wie bereits erwähnt von Kinderschutzbund, Bürgerstiftung und Sparkasse finanziert. „Der Staat macht hier wenig. Lediglich Frau Grote wird teilweise übers Teilhabe-Paket finanziert. Das läuft aber aus, so dass die Sparkasse einspringt. Und die Stadt hat Barbara Degenhard-Schumacher beauftragt, bei Behördengängen zu helfen“, so Hubertus Schmalor. Bis Ostern jedenfalls seien die Sprachkurse für die sechs Kinder gesichert. „Danach brauchen wir wieder Unterstützung“, sagt der Schulleiter, „vor allem vor dem Hintergrund, dass wahrscheinlich weitere Kinder kommen werden.“ ( Bericht WAZ 14.1.2015 - Elisabeth Semme)